Frieden stiften

Eine kleine abgelesene Bibel mit einer Friedenstaube als Aufkleber
Das Bild zeigt die Bibel des jungen Nicolas, damals ein frommer Idealist, der Rüstungsexporte ganz klar verurteilte. Wenn Deutschland in Frieden investieren sollte, dann in ‚Friedenstruppen‘ und alternative Konfliktlösung und definitiv nicht in Rüstung. Waffen in Kriegsgebiete: ein No-Go.

Obwohl jetzt die Kommunalwahl ansteht war beim Demokratiefest am 1. Mai der Ukraine-Krieg in den Diskussionen das vorherrschende Thema. Sowohl das BSW, als auch die Linke und andere Parteien buhlen mit ihren Friedenstauben um die Frieden-Liebenden. Ich fühle mich um mein Symbol betrogen.

Offensichtlich gehen die Erklärungen für die Gründe Russlands, einen verheerenden Krieg in Europa anzufangen sehr weit auseinander. Trotzdem bleibt der eigentliche Zivilisationsbruch – egal aus welchem Grund – der Beginn dieses Krieges. Der Bruch mit der Übereinkunft, Streitigkeiten diplomatisch mit Hilfe von Kompromissen zu lösen. Der gewaltsame todbringende Einmarsch mit Truppen in ein fremdes Land.

Die Bibel, besser die Bergpredigt preist die Friedensstifter. Jesus fordert auf, sich gegebenenfalls auch auf die Wangen schlagen zu lassen. Das ist weiter mein Ideal und tiefe Überzeugung meines christlichen Glaubens. Ich bin mit der Geschichte der Gewaltlosigkeit eines Mahatma Ghandi aufgewachsen. Auch mit der hoffnungsbringen Rede ‚Ich habe einen Traum‘ von Martin Luther King. Und viele von uns haben die friedliche Revolution in Deutschland erlebt. Gebrannt haben bei der Überwindung des SED-Regimes  – Gott sei Dank – nur die Kerzen. Ja, wir müssen an diesen Friedenswegen dringend weiter arbeiten.

„Frauen, Leben, Freiheit“: Zur Wahrheit gehört auch, dass – wie im Iran – mutige und freiheitliche Proteste gewaltsam und erfolgreich niedergeschlagen wurden. Dass Alexej Nawalny vor den Augen der Weltöffentlichkeit in einem russischen Gefängnis stirbt. Der Sieg durch Gewaltlosigkeit scheint keine Selbstverständlichkeit.

Als der sogenannte Islamische Staat 2015 den Irak terrorisierte, hätte ich – als staatlich anerkannter Kriegsdienstverweigerer –, wäre ich Kurde gewesen, wohl zur Waffe gegriffen. Auch kann ich jeden Ukrainer verstehen, der für sein Land in den Krieg zieht. Doch würde es mir gelingen, ohne Hass und Groll auf einen anderen Menschen zu schießen? Würden meine Zweifel mich nicht eher handlungsunfähig machen?

Sehr zu meinem Leid überzeugen mich die Antworten der heutigen Pazifistinnen und Pazifisten nicht. Von Herzen gerne würde ich angesichts der sinnlosen Toten und Zerstörung auf eine gewaltlose Antwort verweisen.

Richtig. Krieg soll in Gottes Namen nicht sein. Aber welche Antwort hätte die Ukraine geben sollen, angesichts dieses barbarischen aufgezwungenen Krieges?

Sinnlose Gewalt und Hass muss uns immer und in jeglicher Gestalt beunruhigen. Wir dürfen nicht nachlassen, dieser Gewalt und dem Hass etwas entgegenzusetzen und zwar nachhaltig und mit großem Engagement. Der Nicolas heute stimmt Waffenlieferungen an die Ukraine deshalb zu, sehr zum Unverständnis seines jüngeren Ich.

Es ist Putin, der diesen Krieg jetzt beenden könnte. Der aufhören könnte, auch Wärmekraftwerke und zivile Energieinfrastruktur zu zerstören. Warum richtet sich die Kritik der vermeintlichen Friedensstifter*innen nicht vorwiegend an Russland?

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