Richtig ehren?

Beginn des Walk of Sport
Wie gelingt eine respektvolle Ehrung?

Vor einigen Jahren wurde der Stadtvertretung eine Liste aller Olympiamedaillengewinnerinnen und -gewinner sowie der Weltmeisterinnen und Weltmeister vorgestellt.

Entsprechend dieser Liste sind schließlich für den Neubrandenburger Walk of Sport Spenden eingegangen, um entsprechende Plaketten im Boden einzulassen, wie wir es jetzt vor dem ehemaligen Kaufhof schon sehen können.

Nun hat der DDR-Sport auch eine schwierige Seite. Sowohl Staats-Doping als auch Stasi-Überwachung sind Teil der Geschichte des DDR-Sports. Wie soll die Stadt nun im Rahmen des Walk of Sports mit dieser Geschichte umgehen? Einige sagen, das ist alles lange her, mit dieser Ehrung soll nur die sportliche Leistung der Sportler*innen hervorgehoben werden. Ich finde, das greift zu kurz.

Unter den Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern finden sich nun Betroffene, die des Dopings überführt wurden oder von denen bekannt ist, dass sie als IM tätig waren. Einfache Antworten zu den jeweiligen Biographien verbieten sich. Der Zwangskontext im dem System Sport machte die Sportlerinnen und Sportler auch zu Opfern.

Und doch stellt sich heute die Frage, wie es im 21. Jahrhundert gelingen kann, die sportliche Leistung anzuerkennen, ohne die Geschichte zu verstecken. Welche Wirkung hat es auf den heutigen Sport und den Kampf gegen Doping, wenn wir jetzt offensichtliche Gedopte ehren?  Und ist es für Opfer des Stasi-Unrechtes angemessen, heute bekannte IM mit einer Plakette öffentlich zu ehren?

Der bisherige Umgang der Stadt mit der Ehrung ist denkbar ungeeignet. Der Oberbürgermeister legt der Stadtvertretung öffentlich und bisher offenbar ungeprüft Spendenangebote für Plaketten für jeweils konkrete Sportlerinnen oder Sportler zur Entscheidung vor. Das ist kein Problem, sofern keine Bedenken vorliegen. Wenn jedoch schon der Wikipedia-Artikel zu der Person auf Doping verweist, beschädigt eine öffentliche Diskussion dazu die betroffene Person.

In unser Fraktion haben wir nun diskutiert, den Weg der Ehrung zu ändern. Ich finde, es muss die Möglichkeit eröffnet werden, die betreffenden Namen zunächst nicht-öffentlich zu besprechen, bevor eine Spende öffentlich bekannt gegeben wird.

Gleichzeitig wird jetzt diskutiert, den Walk of Sport mit einer Gedenktafel zu ergänzen, um die problematische Seite der Sportförderung und die Betroffenheit der Sportlerinnen und Sportler auf eine respektvolle Weise zu erläutern. Diese Idee sollten wir in jedem Fall prüfen.

Bleibt mir nur eins: Ich habe keine Zweifel an diesen besonderen Leistungen aller in der Liste genannten Sportlerinnen und Sportler.  Sie haben alle Herausragendes geleistet.

Wie eine respektvolle Ehrung dieser Leistungen mit dem richtigen Gedenken verbunden werden kann, ist in Neubrandenburg eine ungelöste Frage.

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